Mein erlernter Beruf ist Tierpfleger bzw. Zootechniker.
Von klein auf - obwohl oder gerade weil wir daheim keine Haustiere hatten - gab es nur diesen Berufswunsch für mich. Schon im Alter von 4 Jahren verbrachte ich heimlich viel Zeit auf Bauernhöfen in der Nähe, was meine Eltern in regelmäßigen Abständen Suchtrupps zusammen trommeln und Klärgruben absuchen ließ.
Ich brachte Spinnen mit in mein Zimmer, die ich vor kleinen Jungs rettete. Gleichzeitig sammelte ich Marienkäfer in Gurkengläsern und wollte sie mit Löwenzahn füttern oder brachte Stichlinge mit nach Hause, denen es im Bach doch nur schlecht gehen konnte, im Vergleich zu einem Schaumbad mit mir.
Jede verletzte Taube wurde im Schuhkarton nach Haus getragen und ein kleiner Igel ließ bei klirrender Kälte einen Zirkusbesuch, für dessen Karten wir gerade noch zwei Stunden anstanden, platzen!
Als ich 8 wurde nötigte ich die Leute aus der Nachbarschaft zur Herausgabe ihrer Hunde - ich hätte sogar mit meinem Taschengeld dafür bezahlt, was diese zum Glück nicht wussten - um mit Leine und Ball bewaffnet über die Felder zu toben wie ein Junge - während meine Klassenkameradinnen sich darum rissen, meine Schwester im Kinderwagen umher zu fahren - was eigentlich meine Aufgabe war!!!
Aber Kinderwagen und Hund an der Leine ist kein Vergnügen wie ich meine…
Meine gesamte Schulzeit über besuchte ich einmal wöchentlich die Zooschule in Dresden und mindestens die Hälfte meiner Ferien war ich dort eine ungeheure Hilfskraft :)
Meine tierisch-berufliche Laufbahn - von insgesamt 3 Kindern immer mal unterbrochen - begann ganz bodenständig in der Landwirtschaft bei Kühen, Schweinen und Geflügel.
Anschließend durfte ich endlich zur Zootierpflege, was eines der oben erwähnten Kinder schließlich abbrach.
Später fand ich durch einen mehrjährigen Aufenthalt in einem Tierheim - als Tierpfleger natürlich - zu meinen Wurzeln zurück.
Übrigens lernte ich dort auch meine große Liebe kennen!
Obwohl an dem Zwinger in dem er gerade hockend mit irgendwas beschäftigt war:
„Vorsicht Bissig! Nicht vermittelbar“ stand, gab ich mir Mühe und Er fand bei mir ein neues Zuhause. Den schwarzen Schäferhund der auch noch in diesem Zwinger hockte, brachte er mit. Er war seinem Herrn noch 5 Jahre treu ergeben und ein ausgesprochen guter Familienhund!
Moritz war der Beweiß dafür, was man mit Vertrauen bei einem Hund erreichen kann.

Die Arbeit mit zum Teil verhaltensaufälligen Hunden war spannend und zutiefst befriedigend. Ihnen eine bessere Zukunft in einem neuen Zuhause zu ermöglichen, ein Traumberuf!
Anschließend verbrachte ich auch einige Zeit in den alten Bundesländern in verschiedenen Tierheimen, um noch mehr über die Arbeit im Tierschutz zu erfahren.
Dort durfte ich auch einige Wochen einem Tierarzt über die Schulter schauen.
In Sachen Pflege, Ernährung, Krankheiten und Erster Hilfe Vierbeiner betreffend, hat mich dies alles voran gebracht.
Ich nahm an Seminaren bei bekannten Größen im Hundewesen teil und lernte einiges über das Verhalten der Hunde und den Umgang mit ihnen von Thomas Baumann, Gabrielle Niepel, Martin Rütter und Uli Köppel dazu.
So setzte ich mich mit den verschiedensten Erziehungsmethoden und Konfliktlösungen auseinander, auch um herauszufinden, das es DIE Methode nicht geben kann.
Nichts von all dem hat einen Experten aus mir gemacht, jedoch war es mir in mancher Hinsicht hilfreich und hat meine Ansichten beeinflusst.
In Köln begegnete ich einem Hundesitter und bei einem Urlaub an der Ostsee traf ich einen weiteren, diesmal aus Berlin. Dort verabredete man sich ein paar Wochen später zum Gespräch.
Hier möchte ich anmerken, dass ein Besuch im Grunewald von Berlin an einem Wochenende für jeden Hundefreund ein unvergleichliches Erlebnis ist und Hundebesitzer, die die Anzahl der Vierbeiner auf einer Hundemesse unglaublich hoch einschätzen, werden das Treiben am Grunewaldsee nicht für möglich halten!
Nun stand jedenfalls fest was meine Alternative zur Tierheimarbeit sein würde – Heimtierarbeit!
Leider fehlte das Geld um die Idee einer Hundetagesstätte auf einem geeigneten Gelände umzusetzen und so fing ich da an wo ich als Kind aufhörte: Ich führte Hunde aus der Nachbarschaft aus!
Daraus wurde ein Nebengewerbe und mit Hilfe einer Förderung begann ich im Januar 05 mit meiner ICH-AG.
Nachfrage bestimmt bekanntlich das Angebot, was dazu führte das seitdem die Hunde meiner Kunden die Urlaubstage Ihrer Besitzer nicht mehr in Pensionen, sondern in meiner Familie und somit weiter mit ihren Hundekumpeln aus der Gassigruppe verbringen.
Mir wird berichtet dass dies ein ganz neues Urlaubsgefühl sei, weil so nur noch ein kleiner Rest schlechten Gewissens dem daheim gebliebenen Vierbeiner gegenüber vorhanden ist.

Erfahrungsgemäß funktioniert ein Gassiservice hauptsächlich auf Grund der Gewissensbisse einiger Hundehalter. Obwohl fast alle meine Hundekunden durchaus Problemlos allein zu Haus auf ihre Besitzer warten, hält deren Gewissen eher schlechter durch.
Natürlich ist es ein gutes Gefühl zu wissen, das der Mitbewohner seine Blase keine 8 Stunden oder länger im Griff haben muss und keine Langeweile ihn zu irgendwelchen Schandtaten treibt. Die Arbeit geht Hundehaltern so sicher leichter von der Hand - was ein Aufruf an jeden Chef dieser Stadt sein könnte, die Zahlung eines Hundegroschens für Mitarbeiter mit Hund einzuführen, wenn dieser trotzdem volle Leistung bis in den Feierabend bringt.
Wo immer mich die Zukunft noch hinführt, diese Arbeit - natürlich wird gerade bei strahlendem Sonnenschein kein Hundebesitzer der die Ausflüge seines Hundes durch den Job im Büro bezahlt, meine Tätigkeit ernsthaft als Arbeit bezeichnen - macht überwiegend Spaß, bringt Abwechslung und fordert mich jeden Tag aufs neue heraus.
Diejenigen die der Meinung sind ich sollte eher noch Geld dafür geben, statt mir mein Hobby bezahlen zu lassen, möchte ich an die grauen Regen-, die nasskalten Winter-, und die heißen Sommertage erinnern, an denen Sie dann doch froh über die Klimaanlage im Büro und nach Feierabend über einen ausgetobten Hund sind…

So das war es erstmal bis hier von mir.
Gegrüßt seien alle Vierbeiner und ihre Dosenöffner



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